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Syrien Flagge 2019"Im Sozialkunde Leistungskurs in Klasse 11 bei Frau Haag behandeln wir gerade das Thema Asyl. Passend dazu luden wir eine Syrerin in unseren Unterricht ein. Sie selbst flüchtete aus Syrien (Damaskus) nach Deutschland und lebt hier nun seit ca. zwei Jahren. Wir durften ihr einige Fragen stellen die sich auf Sie, ihre Flucht, ihr Leben in Deutschland und Syrien beziehen. Dazu haben wir einen Tischkreis errichtet und in die Mitte des Kreises zwei Schüler als Interviewer platziert, die das Gespräch führen und lenken sollten...

Als unsere Interviewpartnerin zu uns in den Saal kam, sahen wir eine junge hübsche Frau in weißer Bluse, modischen Jeans, Turnschuhen und braunen Haaren. Sie erzählte uns wie sie in Syrien zuvor lebte. Sie hatte ein Haus, indem sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebte. Ihre Familie war auch nicht allzu weit entfernt von ihnen, da Familie in Syrien sehr wichtig ist und man diese oft besuchen sollte.

Ebenso studierte sie Soziologie und arbeitete im Büro. Der Fluchtgrund ist damit eigentlich schon offensichtlich. Sie hat uns erzählt, dass es Krieg in ihrer Region gab. Überall haben Gebäude gebrannt und sie waren nicht mehr sicher. Nach einem Jahr forderte ihr Mann sie dazu auf, dass sie das Land mit ihren Kindern verlassen sollte und er dann nachkommt, denn er konnte nicht einfach raus, da er Journalist war und es deswegen Komplikationen mit seinem Pass gab, den die Regierung aufgrund seines Berufs einbehalten hat.

Das war nicht ganz einfach für sie, da sie natürlich ihre Familie und ihre ganze Existenz verlieren würde, aber aus Liebe zu ihren Kindern floh sie also aus Syrien mit ihnen. Sie ist nicht wegen des Geldes oder wegen besser bezahlter Arbeit geflohen. Im Gegenteil! Sie musste sogar ihr Haus und Autos verkaufen, um die Flucht zu bezahlen, denn sie mussten bei ihrer Flucht teilweise auf normale Verkehrsflugzeuge zurückgreifen. Ebenso kosteten 6km mit dem Schlauchboot 2000 Dollar. Ihr Haus brachte weniger als die Hälfte vom ursprünglichen Preis und das gesamte Geld mussten sie für die Flucht ausgeben, sodass sie in Deutschland ohne einen Cent ankamen.

Sie flohen zuerst in den Libanon, da dort auch Familienmitglieder lebten und sie dort kurze Zeit unterkommen konnten. Später flogen sie dann in die Türkei. Von dort aus ging es Richtung Europa mit einem Schlauchboot, welches normalerweise nur eine Kapazität von 16 Personen hat, in dem aber 35 Personen saßen bzw. knieten oder sich irgendwie anpassten, damit so viel wie möglich mitfahren konnten. Sie erzählte, dass sie zwischen zwei Männern saß und diese nicht wirklich viel Platz für sie gemacht hatten und sich mehr als sie ausgebreitet hatten. Sie musste teilweise stehen oder knien, aber richtig sitzen konnte sie nicht. Toiletten waren natürlich auch keine vorhanden und nur begrenzte Nahrungs- und Trinkvorräte (z.B. Joghurtwasser). Außerdem erzählte sie uns, dass sie eigentlich gar nicht schwimmen kann, obwohl das Voraussetzung war, um mitfahren zu dürfen, aber sie musste lügen, damit sie weiter kamen. Somit hat sie auch im Falle eines Unfalls ihr und das Leben ihrer Kinder auf´s Spiel setzen müssen.

Angekommen mit Bus und Bahn in Deutschland, waren die ersten Tage sehr schwer für sie. Sie musste viel Englisch reden, was aber sehr gut war, da sie sich so zum Glück besser einleben und verständigen konnte, da viele Deutsche auch diese Sprache sprechen und verstehen. Ihre Kinder haben sich gefreut, da die Umgebung eine vollkommen Andere war. Sie sagte, dass z.B. die Kinder völlig begeistert waren von einem Fahrrad, welches an einer Ecke stand. Dies liegt wohl daran, dass sie noch ein zerstörtes Bild von ihrer Heimat hatten und es ein ganz anderes Bild für sie war. Ihr erster Eindruck war auch sehr positiv. Sie hörte zwar auch viel Negatives von anderen Flüchtlingen über Deutschland, dies hat sich aber nicht bestätigt, wie sie selbst sagt.

Heute lebt sie mit ihren Kindern und ihrem Mann, der es auch nach Deutschland zu einem späteren Zeitpunkt geschafft hat, in einer Wohnung in Thaleischweiler-Fröschen. Sie sagte, dass in Deutschland die Leute sehr hilfsbereit sind und sie hier zudem bessere Aussichten auf Jobs hat, als in anderen europäischen Ländern vor allem, weil Deutschland auch viele Arbeitsstellen an Fachkräfte zu vergeben hat. Sie selbst hat zurzeit leider nur einen Teilzeitjob um nebenbei Geld zu verdienen, denn sie sucht einen geeigneten Ausbildungsplatz. Ihr in Syrien abgeschlossenes Soziologiestudium wird in Deutschland leider nicht anerkannt. Ebenfalls besucht sie einen Deutschkurs, was sehr wichtig ist, da sie gut Deutsch sprechen muss für eine Ausbildung und ihr späteres Arbeitsleben. Ihr Mann ist zurzeit noch arbeitslos, was sich aber bald ändern soll. Da er Journalist ist, muss er erstmal die deutsche Sprache sprechen und schreiben lernen. Das macht er zur Zeit in einem Intensivkurs. Beide Kinder gehen zur Schule, was sehr wichtig für sie ist. Sie will, dass ihre Kinder sich einbürgern, richtig und schnell Deutsch lernen und später selbst mal arbeiten können.

Des Öfteren wird sie mit Fragen über sie und ihre Familie konfrontiert. Das macht ihr aber nichts aus, da sie gerne andere Leute über ihre Familie aufklärt. Nur unangenehme Fragen bzw. zu persönliche oder aufdringliche Fragen mag sie nicht. Ebenso erzählt sie, dass sie sehr gut aufgenommen wurde von den Leuten aus ihrer Gemeinde. Keiner schaut sie böse an. Alle lächeln, sind sehr nett und akzeptieren sie, auch wenn sie aus Syrien kommt, wie sie selbst sagte.

Ihr Asylantrag damals dauerte drei Monate, was recht schnell ist, wenn man sich andere Fälle anschaut. Sie darf vorerst für drei Jahre bleiben und muss danach eine Verlängerung beantragen. Sie selbst sagt, dass sie gute Chancen hat, da sie bis dorthin mitten in einer Ausbildung ist, ihre Kinder zur Schule gehen und ihr Mann im besten Fall auch Etwas gefunden hat.

Ebenfalls haben wir einige Fragen gestellt, die uns brennend interessierten und die auch etwas persönlicher waren.  Wir fragten sie, wie sie zum Islam steht. Sie selbst ist kein Moslem. Sie sagt, alle Religionen haben Recht, in dem was sie glauben. Sie selbst hat schlechte Erfahrungen mit Muslimen, dies bezieht sich aber nur auf einzelne Fälle und nicht auf die Allgemeinheit. Kriminalität von Flüchtlingen ist in unserm Land ein heikles Thema, wie z.B. der aktuellste Fall in Chemnitz. Sie sagte dazu, dass nicht alle Flüchtlinge so sind und dass diejenigen, die sich hier nicht benehmen, das Selbe auch in Syrien machen. Sie erkennen nicht die Chance, die sie durch ihre Ankunft in Deutschland haben und machen so weiter, wie vorher auch. Auch zum Thema Terror von Islamisten sagt sie, dass es nicht am Koran liegt, da dort das strikte Töten von Menschen nicht so verfasst ist, sondern daran, dass sie alle anderen Religionen nicht mögen.

Ein Vorurteil, das häufig in Zusammenhang mit Flüchtlingen genannt wird, ist der Besitz von teuren Smartphones. Sie antwortet mit einem ganz simplen und erklärlichen Grund. Sie brauchen ein modernes Handy, um sich zurechtzufinden. Sie können sich mit ihrem Smartphone orientieren, verständigen (eben auch mit wichtigen Ämtern, um Termine etc. auszumachen), übersetzen, unsere Sprache lernen, den Kontakt zu ihrer Familie aufrecht halten...Diese Liste geht endlos weiter. Sie erzählte uns, dass sie zuvor ein normales Telefon von Nokia hatte, doch dies nicht ausreichte und sie ein Besseres brauchte, um eben diese Funktionen nutzen zu können. Sie hat eines der größten Klischees mit einer der simpelsten und logischsten Antwort erklärt.

Zusätzlich fragten wir sie noch, ob sie nochmal zurückgehen würde nach Syrien. Daraufhin antwortet sie, dass sie theoretisch gerne zurück gehen würde, aber es für die Kinder besser ist für immer hier zu bleiben, da sie jetzt hier aufwachsen, Deutsch lernen und sich an das Umfeld und die Gesellschaft gewöhnen. Ebenso erwähnte sie, selbst wenn kein Krieg mehr herrschen würde, ihr Haus ja trotzdem sowieso schon verkauft ist.

Abschließend kann ich sagen, dass das Gespräch für mich und ich denke auch für die Klasse sehr interessant und vor allem aufklärend war. Wir konnten viele Vorurteile besser nachvollziehen und diese richtig stellen und haben uns nun ein besseres und realitätsnahes Bild machen können. Uns wurde nochmal deutlicher gezeigt, dass es hier wirklich um Menschen geht, so wie wir es auch sind.

Ein großes Dankeschön an unseren Gast, dass sie alle unsere Fragen offen und ehrlich beantwortet hat!"



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